Lebenslanges Lernen mit der Lernplattform Fronter

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Ein "normaler" Schultag im ROC Eindhoven hat in den letzten fünf Jahren eine ganz neue Bedeutung erlangt. Neue Unterrichtsmethoden werden kombiniert mit neuen E-Learning Werkzeugen. Die Lernplattform Fronter wird genutzt, um neue Strategien für das "lebenslange Lernen" in 23 Schulen im ganzen "Silicon Valley von Europa" einzuführen.

Die Richtlinien, die in der Lissabon-Strategie 2005 festgelegt wurden, besagen, dass lebenslanges Lernen von zentraler Bedeutung ist für eine gesunde und nachhaltige Wirtschaft, die den Bedürfnissen der Globalisierung und dem allgemeinen Wandel gerecht werden. Wenden wir diese Theorie bei Bildungseinrichtungen an, können wir sehen, wie das Lernen immer mehr an den Kompetenzen, die wir erwerben, gemessen wird, formalisiert im neu unterzeichneten Europäischen Qualifikationsrahmen (englisch: European Qualifications Framework, EQF). Das EQF legt die Basis für das Assessment Framework. Hier werden die Fähigkeiten und Kompetenzen, die in verschiedenen Bildungsprogrammen und Abschlüssen erworben wurden, gemessen.

 Willen van Dinther

Willem van Dinther begann als Leiter der IT-Abteilung in der Handels- und Marketingschule. Diese Schule ist nur eine von insgesamt 23 Berufsschulzentren, zusammengefasst unter dem Regionalen Bildungszentrum (englisch: Regional Education Centre, ROC) in Eindhoven, in den Niederlanden. Nach den Abschlussprüfungen trafen sich Willem und seine Kollegen im Frühjahr 2004, um ein neues Verfahren zur Bewertung von Lernergebnissen zu entwickeln. Sie suchten aber nicht nur nach einer neuen Methode der Bewertung, sondern - ihrer Zeit weit voraus - hatten auch die Vision vom Abbau der Grenze zwischen dem Arbeits- und Lernleben eines Schülers.

Das Studium, so dachten sie, sollte ein Zeitraum sein, in dem die Schüler, jung oder alt, Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben, die sie für die nächste Stufe ihrer Karriere vorbereitet. Diese Ideen, damals während eines Meetings in Eindhoven erwähnt, sind jetzt offiziell unter dem Begriff kompetenz-basierte Erziehung (englisch: Competence Based Education, CGO) bekannt, einem Lern-Assessment-Modell zur Messung der Kompetenzen und Lernergebnissen der Schüler.

Bei diesem ersten Meeting diskutierte das IT-Team nicht nur die Änderung des Assessments, sondern auch die IT-Lösung, die sie benötigen würden, um das neue System zu untermauern. Sie benötigten ein System, das einfach, aber auch zugleich flexibel war - ein Werkzeug, das die Arbeit erleichtert und dabei hilft, Bildung in das wirkliche Leben zu integrieren. Nach einem intensiven Selektionsprozess wurde die Lernplattform Fronter in einem kleinen Pilotprojekt mit 300 Schülern und 10 Lehrern eingeführt - für Willem und sein Team ein Schritt näher an ihrem Ziel.

Während des Pilotprogramms wurde Fronter genutzt, um ein virtuelles Schulgebäude aufzubauen, als Kopie des physikalischen Gebäudes der Handels- und Marketingschule. Es wurden Räume und Abteilungen angelegt, über Korridore miteinander verbunden und mit verschiedenen Lern- und Lehrergruppen gefüllt. In diesen Räumen konnten die Schüler auf alle Materialien und Informationen zugreifen, die sie für ihre Studien benötigten, Aufgaben einreichen und mit ihren Tutoren und Lehrern kommunizieren.

 ROC virtual classroom

Zentral für das CGO ist die Feststellung von Kompetenzen. Dies kann über das Portfolio-Werkzeug von Fronter erfolgen. Verschiedene Aufgaben und Arbeitsaufträge repräsentieren unterschiedliche Kompetenzen, und alle erledigten Aufträge und Projekte werden in dem persönlichen Portfolio eines Schülers gespeichert. Dies wird in Kombination mit einer mündlichen Einschätzung verwendet, um zu beurteilen, ob die Schüler die notwendige Ausbildung erhalten und die Kompetenzen erworben haben, die sie für ein Weiterkommen oder für die Rückkehr in die Arbeitswelt benötigen.

Während des Fronter-Pilotprogrammes wurde nicht nur eine neue, virtuelle Schule geschaffen, es begann auch eine physikalische Transformation. Die ROC Eindhoven war der Meinung, dass die Schüler am effektivsten in einer Umgebung lernen, die ihr wirkliches Arbeitsumfeld simuliert. Sie müssen auf die dynamischen und wettbewerbsfähigen Bedingungen des Arbeitsmarktes vorbereitet werden.

Die neuen Schulen in ROC Eindhoven, physische und virtuelle, leben die Idee von Vorbereitung und Partnerschaft. Die Schüler arbeiten in großen Räumen, und können in kleinere Räume für kurze, theoretische Unterrichtseinheiten und Diskussionen wechseln. Das Curriculum ist nicht wie bisher in viele separate, nicht miteinander verbundene Einheiten unterteilt; es werden viel eher Verknüpfungen hervorgehoben und Gruppenarbeit ist obligatorisch. Alle Schüler arbeiten auf dem eigenen Rechner online und haben regelmäßige Treffen mit einer zugeordneten Peer-Gruppe, um Fortschritte und Probleme des jeweils anderen zu diskutieren. 

Die Zusammenarbeit ist grundlegend für unseren Erfolg und ein wichtiger Faktor, wenn das 'echte' Arbeitsleben simuliert werden soll.

- William van Dinther

Um noch näher an der Realität zu sein, gründen Schüler ihr eigenes Unternehmen und nehmen an Praktika bei lokalen Unternehmen teil. Fronter ist dabei der zentrale Ort, an dem die Inhalte zur Verfügung gestellt werden und auf diese auch jederzeit und von überall, sei es von den externen Unternehmen oder von zu Hause, zugegriffen werden können. 

Während sich die ROC Eindhoven innen und außen veränderte, begannen die Experten für Bildungspolitik ebenfalls den Wert des Messens von Fähigkeiten und Kompetenzen zu erkennen. In unserer wissensbasierten Ökonomie ist Wechsel konstant, was bedeutet, dass neu erlernte Kompetenzen bald veraltet sind und man sie kontinuierlich aktualisieren muss. Das Leben ist nicht fein säuberlich in Schule und Arbeit geteilt, ständig verändert sich etwas zwischen den beiden. Es ist ein Prozess des lebenslangen Lernens oder aktives Lernen am Arbeitsplatz.

Um einen Job zu bekommen, sind letzten Endes vor allem die richtigen Fähigkeiten wichtig und Werkzeuge, mit denen man diese messen kann, wichtig. ROC Eindhoven, zusammen mit der Plattform Fronter, praktiziert das, was die Europäische Gemeinschaft begonnen hat, zu predigen. Wovon eine kleine Gruppe zunächst geträumt hat, ist vier Jahre später im großen Maßstab umgesetzt und Teil einer europaweiten Wirtschaftspolitik worden. Kompetenzbasiertes Lernen (englisch: Competency Based Education, CGO) ist die Grundlage für alle Programme des ROC Eindhoven. Lernende, egal ob jung oder alt, kommen hierher, um Kompetenzen zu erwerben, die sie für die reale Arbeitswelt benötigen.

ROC group pic

Edwin Verlangen (Pädagogischer Direktor), Ron Kamping (Fronter BeNeLux), René Jansen und Willem van Dinther (Fronter Projektleiter) bei einem Treffen, um den Vertrag mit Fronter neu zu unterzeichnen, im April 2008. 

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